Archiv für die Kategorie „Öffentlicher Verkehr“

Zeitverschwendung…

Montag, 17. Januar 2011

Kleine Rechnung:

Rund 200 mal im Jahr pendel ich fast 100 Kilometer mit der Bahn zur Arbeit, morgens und abends. Im Laufe meiner 10,3 Dienstjahre sind so unglaubliche 407.880 Kilometer zustande gekommen. Der Äquator der Erde hat eine Länge von rund 40.075 Kilometern, d.h. ich bin in 10 Jahren gut 10 mal mit der Bahn um den Äquator gefahren.

Täglich wende ich etwa zweidreiviertel Stunden für Fahrten zwischen Wohnort und Büro auf, auch rund 200 mal im Jahr. Das macht pro Jahr 550 Stunden, in 10,3 Jahren also 5.665 Stunden – oder anders ausgedrückt: 236 Tage oder 7,9 Monate.

In 10,3 Jahren habe ich also fast 8 Monate im Zug zwischen Schlaf- und Arbeitsstätte verbracht.

Frustrierend.

[Update: Gerald hat mich auf einen weiteren interessante Vergleich gebracht: In den letzten zehn Jahren habe ich mit der Bahn die Strecke von der Erde zum Mond zurück gelegt! Das ist noch erschreckender als die Tatsache, dass ich jedes Jahr einmal um die Erde fahre...]

…in vollen Zügen…

Samstag, 12. Dezember 2009

…und meine Aggresion wird nicht gerade geschmälert durch die aktuellen Verhältnisse bei der verfickten Deutschen Bundesbahn.

Alter Schwede, was die sich im Moment erlauben. Von meinen persönlichen Erfahrungen ausgehend würde ich behaupten, dass derzeit maximal 80% der Züge (Regional- wie Fernverkehrszüge) überhaupt nur pünktlich ankommen bzw. abfahren. Derzeit kommt mindestens jeder fünfte Zug entweder zu spät (und ich rede hier nicht von fünf Minuten Verspätung, was ich als Dauer-Pendler eigentlich noch als pünktlich bezeichnen würde!), oder er fällt gar ganz aus und es wird – wenn man Glück hat – ein Ersatz-Zug geschickt.

Der Knaller war meine Verbindung in der letzten Woche von Hannover nach Göttingen am Mittwoch, den 2. Dezember. Wir hatten eine kleine Adventsfeier im Büro, d.h. ich wollte den letzten ICE von  Hannover aus erreichen, der Wochentags um 21.26 Uhr fährt. Dieser benötigt im Normalfall rund 35 Minuten bis Göttingen, ich plante also gegen 22:15 in etwa zu Hause zu sein.

Zu Hause war ich gegen 23:45 Uhr.

Was war passiert? Mein ICE war ausgefallen (warum auch immer, das wird ja nur in den seltensten Fällen kommuniziert), und der Ersatz-IC war auf halber Strecke zwischen Hamburg und Hannover wegen Triebwerkschadens liegen geblieben. Hallelujah! Also ab in die DB-Lounge, aufwärmen, und ein paar kostenlose Kaffees und Softgetränke abgreifen und nochmal kostenlos eine Stange Wasser in die Ecke stellen dürfen.

Aber was war das? Die DB-Lounge schließt um 21:30 Uhr! Ja, spinn ich? Können die nicht mal ein paar Überstunden schieben, wenn die Bahn Verspätungen einfährt? Nein, können sie nicht, also stand ich von 21:30 Uhr bis ca. 23:00 Uhr bei gefühlten -3 Grad Celsius auf dem Bahnsteig und habe auf meinen Zug gewartet.

Ob ich wohl die DB auf Zahlung meiner Krankenversicherung verklagen kann? Meine alljährliche zweiwöchige Grippe bekomme ich typischerweise beim ersten Kälteeinbruch, wenn ich aufgrund diverser Verspätungen bei der Bahn stundenlang auf zugigen Bahnsteigen ausharren muss! Vielleicht sollte ich einen Musterprozess starten…

Aber was erwarte ich eigentlich von einer Deutschen Bundesbahn, die vermutlich gerade mehrere Millionen Euro aus dem Fenster geschmissen hat, um ihre Bahnhöfe mit modernen Anzeigetafeln auszustatten, auf denen dann immerhin folgendes angezeigt wird (Bahnhof Hannover, 2. Dezember 2009, Gleis 4):

DB Anzeigentafel

Liebe Deutsche Bundesbahn! Anstatt Unsummen in unnötige Anzeigetafeln zu investieren, solltet ihr lieber Eure Zug-Flotte regelmässig prüfen und reparieren lassen! Anzeigentafeln sind so nützlich wie ein Kropf, wenn man derzeit sowieso eigentlich nichts anderes tun kann als sich einfach auf das richtig Gleis zu stellen und zu warten – denn ein Zug in die richtige Richtung kommt sicherlich vorbei, irgendwann!